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Konformitätserklärung zur DIN EN ISO 9001 nach EN ISO/IEC 17050-1 anstatt Zertifizierung?

Was ist besser – eine Konformitätserklärung des Anbieters oder ein Zertifikat eines Zertifizierers? Ist die Erklärung eines solide wirtschaftenden Mittelständlers oder Handwerkers weniger vertrauenswürdig, verbindlich oder aussagekräftig als die eines Zertifizierungsdienstleisters?

Ein Hersteller von Babynahrung formuliert in seiner Werbung: „… und dafür stehe ich mit meinem Namen“. Diese Erklärung schafft m.E. mehr Vertrauen, als ein Zertifikat vermag. Trotzdem wird landauf und landab zertifiziert und Konformitätserklärungen fristen ein Nischendasein.

Um es klarzustellen, ich bin nicht gegen Zertifizierungen! Zertifizierungen haben ihre Berechtigung, aber es gibt für viele Unternehmen eine gute m.E. oft bessere Alternative. Daher möchte ich eine Lanze brechen, für alle die Führungskräfte, die selbst die Verantwortung für Ihre QM-Systeme übernehmen und dies auch öffentlich mit einer Konformitätserklärung verkünden.

Was spricht für Konformitätserklärungen, was sind meine Argumente gegen Zertifizierungen in kleinen, mittleren und insbesondere inhabergeführten Unternehmen (außer den inzwischen beachtlichen und m.E. oft nur sehr bedingt – durch Nutzen – gerechtfertigten Kosten)?

Die EN ISO/IEC 17050-1 regelt die Voraussetzungen für und die Inhalte von Konformitätserklärungen. Die dort enthaltenen Anforderungen nach eindeutiger Bezeichnung der Erklärung, eindeutiger Beschreibung des Gegenstandes, die Namen und Funktionen der unterzeichnenden Person(en) und deren Autorisierung durch das Management bedeuten, dass Ross und Reiter zu benennen sind und damit im Zweifelsfall rechenschaftspflichtig ansprechbar sind.

Die Abgabe einer derartigen Erklärung basiert, nach meinen Erfahrungen, auf der sehr genauen Kenntnis des Unternehmens, seiner Situation, Ressourcen, Chancen, Risiken und mindestens auf einer soliden Managementbewertung, wenn nicht gar auf der Steuerung des QM-Systems durch die oberste Leitung.

In zeitlich sehr begrenzten und inhaltlich reduzierten Stichproben, bewerten dagegen in einem Zertifizierungsaudit (i.d.R. kompetente) externe Experten, wegen ihrer notwendigen Unabhängigkeit naturgemäß, ohne genauere Kenntnis des speziellen Kontextes der Organisation, ein mehr oder weniger komplexes System von Aufbau- und Ablauforganisationen sowie Maßnahmen der Qualitäts- und Leistungssicherung, welches ihnen von mehr oder weniger aufgeregten, unsicheren oder routinierten, souveränen Beschäftigten präsentiert wird.

Die Verantwortung für die Bewertung und die entscheidende Aussage: „Sie können dem System vertrauen“, wird durch die Geschäftsführung an eine externe Autorität ausgelagert. Diese muss natürlich, wie alle professionellen Dienstleister, das Interesse haben ihre Kunden zufrieden zu stellen. D.h. überwiegend wird wertschätzend der Status Quo anerkannt und die Umsetzung und Wirksamkeit des QM-Systems bescheinigt. Ggf. geben kritische Hinweise und Anregungen für Verbesserungen allen Beteiligten das gute Gefühl der Angemessenheit und Korrektheit der Begutachtung und des i.d.R. erteilten bzw. verlängerten Zertifikates.

Beide Ansätze haben Schwächen, aber auch ihre Stärken, über die m.E. so nachgedacht werden sollte, Konformitätserklärungen als alternative Option zu erwägen und anzuerkennen.

Bertold Hellriegel



Normrevision der DIN EN ISO 9001 … wie kann ich überprüfen inwieweit das QM-System meines Unternehmens die veränderten Anforderungen erfüllt?

Herausforderungen bei der Reorganisation der QM-Systeme sind m.E. gar nicht „nur“ die neuen expliziten Anforderungen der DIN EN ISO 9001:2015, wie z.B. der Umgang mit Chancen und Risiken oder die Aufgaben das Wissen als wichtige Ressource zu generieren und zu bewahren, sondern insbesondere der „neue Geist“ der diese Norm charakterisiert.

Leitungen sind (endlich wieder) uneingeschränkt verantwortlich und werden nicht durch formale Forderungen (z.B. einem QM-Handbuch, einem QM-Beauftragten, …) bevormundet! Dies macht die Aufgabenstellung nicht unbedingt leichter, aber erhöht die Wirksamkeit.

Dies beginnt bei der Ermittlung und Bewertung des Kontextes, was nichts anderes bedeutet als Schwerpunkte zu setzen und Anderes auszuklammern bzw. mit geringerer Intensität – als anteilig bisher von der Norm gefordert – zu behandeln, eben entsprechend der konkreten Anforderungen und (Rand)bedingungen der Organisation.

Ob beim Auditprogramm, bei der Erwägung der Einbeziehung empfohlener Aspekte der Managementbewertung, bei der Festlegung der Art und Weise dokumentierter Informationen, bis hin zur Festlegung der Verantwortlichkeiten für die administrativen Aufgaben und Lenkung der QM-Entwicklung, gilt es den Status Quo zu hinterfragen (was nicht gleichbedeutend ist, ihn in Frage zu stellen) und Vorgaben und Festlegungen zu verändern.

Das ISO 9001-Portal bildet mit über 450 offenen Fragen alle Anforderungen der DIN EN ISO 9001:2015 ab und ist geeignet, in Prozessen der Selbst- und Fremdreflexion, den Reorganisationsprozess in seiner ganzen Komplexität zu unterstützen. Dabei ist es der Organisation überlassen, mit welchem Themenkomplex und in welcher Reihenfolge sie vorgeht. Durch die Möglichkeit den Standard-Fragenkatalog mit eigenen Themenkomplexen, -bereichen und Fragen zu ergänzen, können Organisationen jeglicher Art mit der datenbankbasierten Software arbeiten.

Bertold Hellriegel