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Managementbewertungen – formale Last oder scharfes Schwert?

Solange die DIN EN ISO 9001 die Anforderungen an Managementbewertungen enthält, wird diese Aufgabe – nach meiner Wahrnahme – von vielen obersten Leitungen als eher lästige, für den Auditor der Zertifizierungsorganisation zu erbringende Aufgabe, halbherzig formal erfüllt.

Es ist ja i.d.R. auch aufwendig die Informationen und Daten der unterschiedlichen Gesichtspunkte im Kontext der Organisation zu erfassen, in Wechselwirkung zueinander zu stellen, zu bewerten und Schlussfolgerungen abzuleiten. Insbesondere immer dann, wenn mit unterschiedlichen Mitteln und Methoden Sachverhalte und Feststellungen erfasst, nur sehr anteilig, unstrukturiert und von mehreren Beteiligten dokumentiert und kaum bewertet werden, wird der vorbereitende Aufwand immens.

Wenn man will, dass die eigenen Mitarbeiter mitdenken, dann muss man ihnen schon mitteilen, was die Leitung vorhat, wie sie die Ausgangslage bewertet und zu welchen grundsätzlichen Schlussfolgerungen sie kommt.

 

Darüber gibt es m.E. auch Konsens. „Und deshalb“, sagten mir sinngemäß einige Geschäftsführer, mit denen ich im Rahmen meiner Beratungstätigkeit zu tun hatte, im Zusammenhang mit diesem Thema: „ziehen wir bei unseren Betriebsweihnachtsfeiern oder ähnlichen Gelegenheiten, Bilanz und sagen den Leuten wohin die Reise geht.“ Dokumentierte Nachweise? Eher selten, schließlich dient der Rahmen ja vor allem dem Feiern.

Vergleiche hinken immer. Würden wir uns zufrieden geben mit der Aussage des Kapitäns eines Kreuzfahrtriesen, dass das Schiff schwimmt, die Motoren laufen und das Meer uns viele schöne Ziele bietet? Eher kaum, aber dies ist das, was – etwas zugespitzt – Führungskräfte nicht selten ihren Beschäftigten anbieten.

Mit dem ISO 9001-Portal bietet die EuroNorm MBT GmbH eine Software an, die für die systematische Erfassung, Beschreibung, Bewertung und Ableitung sowie Lenkung von Maßnahmen hilfreiche Tools anbietet. Durch die Verknüpfung kategorisierter Feststellungen und Maßnahmen aus internen und externen Systemaudits, Befragungen von Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter*innen und anderen interessierten Parteien, können für die Managementbewertung belastbare substantielle Daten zur Verfügung gestellt werden.

Bertold Hellriegel



Konformitätserklärung zur DIN EN ISO 9001 nach EN ISO/IEC 17050-1 anstatt Zertifizierung?

Was ist besser – eine Konformitätserklärung des Anbieters oder ein Zertifikat eines Zertifizierers? Ist die Erklärung eines solide wirtschaftenden Mittelständlers oder Handwerkers weniger vertrauenswürdig, verbindlich oder aussagekräftig als die eines Zertifizierungsdienstleisters?

Ein Hersteller von Babynahrung formuliert in seiner Werbung: „… und dafür stehe ich mit meinem Namen“. Diese Erklärung schafft m.E. mehr Vertrauen, als ein Zertifikat vermag. Trotzdem wird landauf und landab zertifiziert und Konformitätserklärungen fristen ein Nischendasein.

Um es klarzustellen, ich bin nicht gegen Zertifizierungen! Zertifizierungen haben ihre Berechtigung, aber es gibt für viele Unternehmen eine gute m.E. oft bessere Alternative. Daher möchte ich eine Lanze brechen, für alle die Führungskräfte, die selbst die Verantwortung für Ihre QM-Systeme übernehmen und dies auch öffentlich mit einer Konformitätserklärung verkünden.

Was spricht für Konformitätserklärungen, was sind meine Argumente gegen Zertifizierungen in kleinen, mittleren und insbesondere inhabergeführten Unternehmen (außer den inzwischen beachtlichen und m.E. oft nur sehr bedingt – durch Nutzen – gerechtfertigten Kosten)?

Die EN ISO/IEC 17050-1 regelt die Voraussetzungen für und die Inhalte von Konformitätserklärungen. Die dort enthaltenen Anforderungen nach eindeutiger Bezeichnung der Erklärung, eindeutiger Beschreibung des Gegenstandes, die Namen und Funktionen der unterzeichnenden Person(en) und deren Autorisierung durch das Management bedeuten, dass Ross und Reiter zu benennen sind und damit im Zweifelsfall rechenschaftspflichtig ansprechbar sind.

Die Abgabe einer derartigen Erklärung basiert, nach meinen Erfahrungen, auf der sehr genauen Kenntnis des Unternehmens, seiner Situation, Ressourcen, Chancen, Risiken und mindestens auf einer soliden Managementbewertung, wenn nicht gar auf der Steuerung des QM-Systems durch die oberste Leitung.

In zeitlich sehr begrenzten und inhaltlich reduzierten Stichproben, bewerten dagegen in einem Zertifizierungsaudit (i.d.R. kompetente) externe Experten, wegen ihrer notwendigen Unabhängigkeit naturgemäß, ohne genauere Kenntnis des speziellen Kontextes der Organisation, ein mehr oder weniger komplexes System von Aufbau- und Ablauforganisationen sowie Maßnahmen der Qualitäts- und Leistungssicherung, welches ihnen von mehr oder weniger aufgeregten, unsicheren oder routinierten, souveränen Beschäftigten präsentiert wird.

Die Verantwortung für die Bewertung und die entscheidende Aussage: „Sie können dem System vertrauen“, wird durch die Geschäftsführung an eine externe Autorität ausgelagert. Diese muss natürlich, wie alle professionellen Dienstleister, das Interesse haben ihre Kunden zufrieden zu stellen. D.h. überwiegend wird wertschätzend der Status Quo anerkannt und die Umsetzung und Wirksamkeit des QM-Systems bescheinigt. Ggf. geben kritische Hinweise und Anregungen für Verbesserungen allen Beteiligten das gute Gefühl der Angemessenheit und Korrektheit der Begutachtung und des i.d.R. erteilten bzw. verlängerten Zertifikates.

Beide Ansätze haben Schwächen, aber auch ihre Stärken, über die m.E. so nachgedacht werden sollte, Konformitätserklärungen als alternative Option zu erwägen und anzuerkennen.

Bertold Hellriegel